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Erlebnisbericht Waldbaden

Interview mit Herrn P. Fuchs.  –   September 2019

Vom Waldbaden liest man immer häufiger in den Medien und doch ruft Shinrin-Yoku bei vielen Skepsis hervor. Auch Herr P. Fuchs, technischer Mitarbeiter, zweifelte daran, dass „Bäume umarmen“ etwas bringen soll beim Umgang mit schwierigen Bauherren. Mit gemischten Gefühlen reiste er zum Seminar „Raus aus der Sündenbockfalle“ an, das die Town & Country Haus Lizenzgeber GmbH im WaldResort am Nationalpark Hainich veranstaltet hat. Seine Erfahrungen hat er uns in einem kurzen Interview geschildert.

Herr Fuchs, Sie haben am Seminar „Raus aus der Sündenbockfalle“ teilgenommen und ein Bestandteil des Seminars war auch Waldbaden. Was war Ihr erster Gedanke, als Sie das Seminarprogramm lasen?

Ehrlich gesagt dachte ich nur „Oh Gott, was soll das jetzt werden. Da hab´ ich ja echt kein Bock drauf“. Aber ich bin dann einfach hin und habe mich überrauschen lassen. Ich habe vorher noch nie was von Waldbaden gehört, ich dachte wir machen da ein bisschen Erlebnispädagogik.

Was haben Sie dann gemacht, als Sie Waldbaden im Nationalpark Hainich waren?

Zunächst sind wir normal in den Wald gegangen. Dann kam eine Übung, bei der wir rückwärts durch das „Tor zum Hainich“ gelaufen sind. Das war für mich wirklich ein Erlebnis. Es ist so ungewohnt rückwärts durch den Wald zu gehen, ich fühlte mich ganz unsicher. Irgendwann hat uns Jürgen Dawo dann mitten im Wald umgedreht und da war ich dann erstaunt: man hatte eine völlig neue Perspektive auf den Wald, nur allein deshalb, weil man rückwärts hineingegangen ist. 

Im Anschluss sind wir durch den Wald gegangen, uns wurden verschiedene Bäume gezeigt und erklärt. Ich habe viel Interessantes über den Nationalpark Hainich erfahren.

Dann gab es noch eine Übung, wo ich echt dachte „Oh nein, was soll das werden“. Wir sollten uns einen Baum suchen und uns an ihn lehnen, ihn anfassen, wegschubsen, halt mit ihm interagieren. Ich habe es dann halt einfach mitgemacht und mich hingesetzt. Dann sollten wir die Augen schließen. Anfangs kreisten mir noch tausend Gedanken durch den Kopf, doch auf einmal merkte ich, wie ich ruhiger wurde und viel mehr wahrnahm, was im Wald alles zu hören ist. Ich habe viel mehr mitbekommen, was im Wald um mich herum passiert als sonst. Das war erstaunlich. Die 10 Minuten kamen mir gar nicht wie 10 Minuten vor und ich war viel entspannter.

Wie beurteilen Sie Ihre eigentlichen Erwartungen an das Seminar und wie hat Waldbaden da dann hineingepasst?

Also ich hatte bei dem Seminar eigentlich erwartet, dass wir lernen wie man deeskalierend mit schwierigen Kunden umgeht. Das war auch Thema in den Kommunikationstrainings, aber das Waldbaden ist für mich jetzt im Rückblick auch ein wichtiger Baustein, der dazu passt. Das Waldbaden hilft einem abzuschalten, raus aus dem Alltag zu gehen und damit auch eine neue, gelassenere Perspektive einzunehmen – das hilft einem ja letztlich auch beim Umgang mit schwierigen Situationen im Berufsalltag.

Nehmen Sie etwas in den Alltag mit?

Ja, auf jeden Fall. Vor dem Seminar war ich wohl das letzte Mal als Kind so richtig im Wald oder bin mal mit Freunden oder der Familie wandern gegangen. Ich wohne direkt am Hunsrück, 500 m vom Wald entfernt und werde künftig wirklich versuchen, abends immer nochmal raus zu gehen, und wenn es nur für 15 Minuten ist. Ich werde im Wald nicht mehr versuchen die Wanderrouten schnellstmöglich zu absolvieren, sondern mich bewusst umschauen, mir Zeit lassen. Ich hätte anfangs nie geglaubt, dass Waldbaden klappt, aber es funktioniert. Man wird entspannter, kann abschalten und Kraft sammeln für den Alltag.

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