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Eine ganz besondere Beziehung: Die Deutschen und der Wald

Die Meldungen über ein neues Waldsterben sorgen für erhebliche Unruhe – nicht nur bei Waldbesitzern und der Holzwirtschaft, sondern auch in der Öffentlichkeit. Schließlich haben die Deutschen ein ganz besonderes Verhältnis zum Wald. Nach aktuellen Angaben sind etwa 110.000 Hektar Wald in Deutschland von einem massiven Borkenkäferbefall betroffen, vor allem gilt dies für großflächige Monokulturen von Fichten. Schon die anhaltende Trockenheit und Hitze im Sommer 2018 hatten die Bestände geschwächt, mit der erneuten Stresssituation im Frühsommer 2019 wurden dann die Schäden offensichtlich. Die Fachwelt ist sich einig, dass ein ökologischer Waldumbau notwendig ist, dass andere Baumarten gepflanzt werden müssen und dass Mischwälder besser mit den Veränderungen des Klimas zurechtkommen. Eine Gruppe von Waldexperten und Forstpraktikern, darunter auch Manfred Großmann, Leiter des Nationalpark Hainich, haben in einem offenen Brief an die zuständige Bundesministerin Julia Klöckner eine Abkehr von der konventionellen Forstwirtschaft eingefordert. Es gelte, den Wald wieder als Ökosystem zu begreifen.

Waldlust im Zeitenwandel

Die Kunst- und Sozialgeschichte Deutschlands rankt sich geradezu um den Wald … denkt man nur an die Märchen der Gebrüder Grimm. Mit der Romantik wurde der Wald im 18. Jahrhundert der bevorzugte Spielort von sentimentalen Erzählungen und Gedichten, Opern und Schauspielen. Über dem bürgerlichen Sofa – des Städters – hing die wildromantische Darstellung eines röhrenden Hirsches, der stolz und majestätisch in einer Waldlichtung steht. Die im ausgehenden 19. Jahrhundert einsetzende Naturschutzbewegung und Wandervereine, später auch völkische Strömungen, glorifizierten den Wald als Ort der Ursprünglichkeit und als wichtiges Element deutscher Kulturlandschaft. In den 1950er und 1960er Jahren wurde der Wald zur Kulisse vieler zuckersüßer Trivialfilme und -romane, in denen es vor allem um Heimatgefühl und Herzschmerz ging. Später dann sorgten gesellschaftliche Debatten um das „Waldsterben“ oder das „Ozonloch“ für deutliche Fortschritte in der Umweltpolitik – immerhin, es war der Wald, um den sich die Deutschen sorgten. Und bis heute ist der Wald für viele Menschen der bevorzugte Ort für Erholung und Freizeit. Hier ist man jenseits von Lärm und Hektik – ohne W-Lan und manchmal sogar noch ohne Mobilfunknetz – in großer Freiheit. Hier sind die Wege weich, es riecht wie eben nur der Wald riecht. Mit Waldduft assoziiert man quasi automatisch Entspannung und Ruhe. Und tatsächlich ist diese besondere Aromenmischung aus frisch geschnittenem Holz, Moos, Rindenmulch, feuchtem Laub – es handelt sich um Terpene und andere bioaktive Wirkstoffe – gesundheitsfördernd. „Schon ein Spaziergang durch den Wald baut Stress ab und ist gut für die Stimmung. Die vielfältigen und intensiven Sinneseindrücke vom Rauschen der Baumkronen über das Spiel des Lichts zwischen den Stämmen bis zum Zwitschern der Vögel stimulieren das vegetative Nervensystem und unterstützen die Regeneration von Körper und Geist“, weiß auch Jürgen Dawo, der am Nationalpark Hainich, dem einzigen Urwald Deutschlands, in Thüringen das Erholungszentrum WaldResort betreibt.

Urlaub im Wald

„Wir sind davon überzeugt, dass es gut ist, wenn die Menschen den Wald besser kennenlernen und schützen. Schließlich brauchen wir ihn dringend – auch für unsere Gesundheit,“ so Dawo. Der Nationalpark Hainich bietet ein breites Spektrum an Angeboten zur Walderfahrung: Baumkronenpfad, Wildkatzendorf, Kletterwald, Drachenschlucht … Vor allem aber kann man hier als Urlauber einen echten und vitalen Naturwald erleben und sich als Spaziergänger, als Teilnehmer einer Wildkräuterwanderung oder sogar bei einem Waldbad der Waldnatur hingeben. Für Familien mit Kindern gibt es spezielle Angebote, ebenso für Erholungssuchende, die zum Beispiel die Hainich-ShinrinYoku Methode als natürliche Gesundheitserhaltungs- und Entspannungs-Methode kennenlernen wollen. Andere interessieren sich für die WaldExpeditionsWochen mit saisonalen Themenschwerpunkten und Wildnis-Wanderungen. Die Programme sind individuell wählbar. Weitere Informationen zu Freizeiten und Urlaub im WaldResort Hainich gibt es unter: www.waldresort-Hainich.de, www.shinrinyoku.de, www.ferienhaushainich.de und www.hainich-auszeit.de.

Quelle: GPP

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